(04.01.2012, 12:00) Da viele Facebook-Nutzer meist mehrere hundert Freunde haben, kann man annehmen, dass die meisten ihre wirklich privaten Gedanken nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Fraglich nur, warum man eigentlich bei einem sozialen Netzwerk angemeldet ist, wenn man sich bei jedem Post überlegen muss, ob man dies wirklich mitteilen möchte. Eine Möglichkeit wäre es natürlich „Freunde“ auf Facebook zu löschen. Zumindest jene Kontakte, die man nicht kennt bzw. mit denen man schon seit Jahren nicht wirklich im Kontakt steht.
Das Netzwerk macht es einem dabei aber alles andere als leicht, da es erforderlich ist, jeden einzelnen Nutzer aufzurufen, den Unfriend-Button zu drücken und dies auch noch zu bestätigen. Eine Prozedur, die bei mehreren hundert Freunden schon bald sehr zeitraubend sein kann. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass jemand sich wirklich die Mühe macht und beginnt sein Facebook-Profil zu „säubern“. Eine Möglichkeit wäre es natürlich, ein Feature einzurichten, welches dem Nutzer vorschlägt bspw. 10 Prozent der Kontakte, mit denen er seit einem Jahr nicht interagiert, automatisch löschen zu können. Ob es eine solche Abhilfe eines Tages geben wird, steht in den Sternen.
Für manche mag es daher an der Zeit sein, sich nach Alternativen umzusehen. Neben dem den meisten schon bekannten Diaspora, welches aber nicht ganz so einfach zu bedienen ist wie Facebook gibt es vor allem zwei neue Netzwerke, bei denen der Schutz der Privatsphäre stärker im Vordergrund steht und welche auch bei weitem nicht so überfüllt sind wie Facebook. Path etwa, ist ein soziales Netzwerk, welches von einem früheren Facebook-Mitarbeiter gegründet wurde und welches mit einer limitierten Zahl von 50 Freunden die Gefahr, zu viele Kontakte zu haben, bannt.
Path – ein Netzwerk mit limitierter Anzahl von Freunden
Path ist ein Netzwerk, das es einem erlaubt, Fotos mit seinen engsten Freunden und Familienmitgliedern zu teilen. Es gibt sowohl eine Web-basierte Version als auch eine iPhone sowie Android App für die restriktivere Form des sozialen Netzwerks. Es ist zudem sehr wahrscheinlich, dass bald Path-Versionen für Black-Berry-Betriebssysteme veröffentlicht werden.
Mit Path ist es möglich, wirklich persönliche Momente nicht mit der Öffentlichkeit, sondern mit den wichtigsten Personen zu teilen. Damit geht natürlich die Freiheit einher, auch einmal unüberlegt Dinge zu posten, die man auf dem Herzen hat. Path wirbt auch mit dem Slogan: „A place where you can be yourself.“
Die Frage, warum die Kontaktzahl auf gerade 50 Nutzer beschränkt ist, wird im Hinblick auf Forschungsergebnisse eines Psychologie-Professors in Oxford, Robin Dunbar, beantwortet. Demnach seien 150 Kontakte das Maximum an sozialen Beziehungen, das das menschliche Gehirn zu einem bestimmten Zeitpunkt „verarbeiten“ kann. Bei wirklich persönlichen Beziehungen reduziert sich die Zahl im Allgemeinen auf lediglich drei. Wenn man also um die fünf Personen kennt, die man als engste Freunde betrachtet und etwa 20 hinzuzählt, mit denen man in regelmäßigem Kontakt steht, so ist mit 50 Kontakten sicherlich die äußerste Grenze erreicht, innerhalb der die wirklich wichtigen Personen fallen. Bei Path ist das „befreunden“ mit oder „folgen“ von Kontakten nicht erforderlich. Vielmehr steht das Teilen von Ihnalten mit jenen Menschen, die einem am wichtigsten sind, im Vordergrund.

Eine weitere Facebook Alternative wird das noch nicht veröffentlichte Netzwerk Just.Me werden. Dabei handelt es sich um ein Start-Up aus Kalifornien, welches ab März 2012 öffentlich zugänglich sein wird.
Just.Me – Kontrolle des Netzwerks ohne Cloud
Über das Netzwerk sind noch keine hinreichenden Details bekannt. Es soll sich aber um eine komplett neue Architektur handeln, die auf mobilen Endgeräten, wie dem Smartphone und dem Tablet, aufgebaut sein soll. Das bedeutet, dass nicht der klassische PC-Browser der Ursprung des Netzwerks sein wird, sondern das mobile Internet. Somit soll das Netzwerk auch stark personalisiert werden können, vor allem über die Einbindung der privaten Telefonkontakte. Mit dem Netzwerk wird somit ein soziales Tool auf einem Gerät plaziert, welches vom Nutzer tatsächlich vollständig kontrolliert werden kann, ohne dass eine Cloud erforderlich ist, in der die Nutzerdaten gespeichert werden und sich dabei niemand wirklich sicher sein kann, was tatsächlich mit all den gesammelten Informationen passiert.
Wie sich das Netzwerk in Zukunft entwickeln wird, kann noch nicht berichtet werden. Auf jeden Fall wird mehr Kontrolle über persönliche Daten möglich sein. Ein Vorteil, der in einer Zeit des immer sorgloseren Umgangs mit der Privatsphäre nicht zu unterschätzen ist. Auf just.me kann man sich bereits jetzt für einen Testversuch anmelden.
