(17.01.2012; 16:00) In letzter Zeit wurde viel über Windows Phone diskutiert. Die zentralen Themen dieser Diskussionen waren meistens die neuen Geräte oder die Benutzeroberfläche des Betriebssystems. Die New York Times hat die positiven Berichte über Windows Phone zusammengefasst, alle kommen zu dem Schluss, dass Windows Phone genial ist.
Es mag schon wahr sein, dass das Betriebssystem optisch sowie unter der Oberfläche genial ist, doch im Bereich der Anwendung liegt das OS im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten zurück. Microsoft versucht daher die Entwickler zu motivieren, mehr Apps von hoher Qualität auf den Markt zu bringen, damit die Plattform ein wahrer Erfolg werden kann. Zwar sind 50.000 Apps im Marketplace ein guter Meilenstein, doch können 1000 hochwertige Apps als besserer Indikator für den Erfolg eines Betriebssystems gesehen werden.
Das Windows Phone Betriebssystem ist äußert leistungsfähig und das ohne irgendwelche Anwendungen. Dies machte der Software-Riese Microsoft bei der Vorstellung der Plattform auf dem Mobile World Congress 2010 deutlich. Damals verspottete das Unternehmen andere Smartphones bei denen die User zwischen den unterschiedlichen Apps hin- und herspringen mussten, obwohl sie alle Funktionen doch direkt im Windows Phone Betriebssystem integriert haben konnten.
Der Windows Marketplace muss sich verändern
Die aktuellen Entwicklungen zeigen ein anderes Bild. Microsoft ist bemüht Qualitäts-App-Entwickler für sich zu gewinnen, um in einigen Bereich dazu gewinnen zu können. Doch dem Marketplace von Microsoft fehlt es an Steuerung sowie Standards. Für Microsoft sind Zahlen, die den Marketplace betreffen, nicht von großer Bedeutung. Deswegen präsentiert das Unternehmen diese Statistiken nie einem breiten Publikum.
Der Erfolg von Windows Phone ist leider von Top-Anwendungen abhängig. Das Interesse von Usern wird geweckt, wenn auch auf dem Windows Phones Betriebssystem bestimmte Features in Form von Apps, die auf Android und iOS zur Verfügung stehen, genutzt werden können. Sobald dieses Interesse gewonnen werden konnte, muss der existierende Marketplace verändert werden und der Fokus auf Qualitäts-Anwendungen gelegt werden. Der User möchte auf seinem Gerät Zugang zu seiner Lieblings-App haben.
Das Spiel mit den Zahlen
Eine Reihe von Kritikern hat die Strategie für mobile Geräte von Microsoft kritisiert, die meisten haben besonders auf die niedrige Anzahl von zugänglichen Apps hingewiesen. Einer dieser Kritiker ist Robert Scoble. Er hat darauf hingewiesen, dass Windows Phone 450.000 Apps fehlen und die Entwickler nicht daran interessiert seien ihre Ressourcen zu nutzen, um Anwendung für diese Plattform zu erschaffen.
Business Insider reagierte auf diese Kritik und wies daraufhin, dass für Windows Phone mittlerweile 50.000 Anwendungen zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu den 500.000 iOS Apps sowie den 400.000 Android Apps ist dies zwar wenig, doch wurde bei Windows Phone der Meilenstein von 50.000 Anwendungen schneller als bei Android und iOS erreicht. Das Spiel mit den Zahlen interessiert die Mehrheit der Smartphone User nicht, diese wollen einfach nur "coole" Apps, doch diese fehlen Windows Phone im Moment noch.
Apple startete seinen eigenen App Store mit 1000 Anwendungen gemeinsam mit dem iPhone 3G, ein Jahr nach der erstmaligen Einführung des iPhones. Windows Phone startete seinen Store auch mit 1000 Anwendungen, doch im Vergleich zum Apple iOS wurde dieses Betriebssystem auf einem Markt eingeführt, der von erfolgreichen iPhone und Android-Geräten beherrscht ist. Dies macht einen Erfolg für das Microsoft Betriebssystem nicht gerade einfach.
Das Problem mit Klon-Apps
Im Windows Phone Marketplace werden derzeit 50.000 Anwendungen zum Download angeboten, doch die Zahl erzählt nicht die ganze Geschichte. Justin Angel, der frühere Manager des Microsoft Silverlight Programms, hat sich im September eingehender mit dem Marketplace beschäftigt und festgestellt, dass über 20% der Anwendungen Klons von bereits bestehenden Apps sind.
Microsoft versucht "Bulk-App-Publishing" zu verhindern, doch dies scheint nicht gelungen zu sein. Bei Bulk-App-Publishing handelt es sich um einen Entwicklerprozess, mit dem geklonte Apps veröffentlicht werden können. Mit einem Blick auf den Marketplace erkennt man hunderte von Anwendungen, die Urheberrechte verletzen oder einfach geklonte RSS Apps nutzen. Bei der Suche nach "CNN" erhält man 70 Anwendungen, die das CNN Logo verwenden, doch keine dieser Apps ist eine offizielle Anwendung. Eine gefälschte Spotify App, die im Marketplace veröffentlicht werden konnte, kostete die User 0,99 Dollar und hat die Benutzer mit einem Trick dazu verleitet für ein Sammlung von Musik-bezogenen Nachrichten zu bezahlen, anstatt für den Musik-Streaming-Dienst.
Quantität ist nicht alles
Die Liste der Top-Apps wird im Moment von Spielen angeführt. Die meisten dieser Spiele wurden von Microsoft Studios oder Electronic Arts veröffentlicht. Einige glauben, dass Microsoft versucht eine Brücke zu schlagen, um die Lücke zwischen Windows Phone und seinen Konkurrenten zu schließen. Microsoft arbeitet angeblich daran sicherzustellen, dass alle Top 25 Anwendung auf Android und iOS noch vor Ende des Jahres auch über Windows Phone zur Verfügung stehen. Sollte sich dieses Gerücht als wahr erweisen, dann könnte dies der Schritt in die richtige Richtung von Windows Phone sein.
Zwar fehlen Microsoft 450.000 Apps um dieselbe Menge an Anwendungen zur Verfügung stellen zu können wie die Konkurrenz, doch Quantität bedeutet noch lange nicht Qualität. Es fehlen für dieses Betriebssystem qualitativ hochwertige Anwendungen, die bereits für iOS und Android Nutzer selbstverständlich sind. Das Wachstum an neuen Apps für dieses Betriebssystem zwischen November und Dezember zeigt deutlich, dass die Entwickler durchaus Interesse an diesem Betriebssystem haben und dies kann sich auf die Weiterentwicklung des OS positiv auswirken.
