Warum nutzen Menschen Facebook?

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Warum nutzen Menschen Facebook?

 
 

Eine neue Studie der Universität Boston möchte herausfinden, warum Menschen soziale Netzwerke nutzen und fand heraus, dass es grundsätzlich zwei Ursachen für den Gebrauch sozialer Netzwerke gibt. Zum einen sei dies das Zugehörigkeitsbedürfnis, zum anderen jenes der Selbstprofilierung. Die Studie berücksichtigte zudem demografische sowie kulturelle Faktoren und deren Einfluss auf diese Bedürfnisse sowie die Unterschiede beim Nutzungsverhalten verschiedener Persönlichkeitstypen.

 

(17.01.2012, 12:15) Facebook ist ein allgemein akzeptierter Kommunikationskanal. Heutzutage werden so virtuelle Freundschaften geknüpft, Videos und Musik ausgetauscht, gechattet, Bilder geteilt und man informiert einander über Veranstaltungen. Man kann Fanpages liken und zeigen, was einen gefällt. Daten über den Beruf, die Ausbildung, den Beziehungsstand oder die politische Gesinnung eingeben und sich zudem über die wichtigen und natürlich weniger interessanten Neuigkeiten informieren. Bei dieser Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten stellt sich nun aber die Frage: Warum nutzen Menschen eigentlich Facebook?

 

Eine neue Studie der Universität Boston möchte genau das herausfinden und definierte Social Networking Seiten (SNSs) zunächst als Internet-basierte Dienste, die dem Einzelnen drei wesentliche Möglichkeiten zur Verfügung stellen:

 

·         Die Möglichkleit, ein öffentliches bzw. semi-privates Profil anzulegen.

·         Die Möglichkeit, eine Liste von Kontakten zu erstellen, mit denen Inhalte geteilt werden können.

·         Die Möglichkeit "View and Track" Verbindungen mit anderen einzugehen, was bedeuten soll, dass man Inhalte anderer sehen und zurückverfolgen kann.

 

Vor 2009 war es noch Myspace, das unser soziales Leben virtuell dominierte. Ab April 2009 war dieses Netzwerk allerdings so gut wie tot. Eine Studie, die 2008 von E. Hargittai durchgeführt wurde, fand heraus, dass 25 Prozent der Myspace-Bevölkerung spanische Studenten waren, wohingegen diese nur 14 Prozent der Facebook-Nutzer ausmachten. Es zeigt sich also, dass die Nutzung sozialer Netzwerke sehr stark von demografischen und kulturellen Faktoren abhängt. Frauen etwa nutzen Facebook weitaus häufiger als Männer.

 

Auch in den Folgejahren gab es zahlreiche Studien, die sich mit der Nutzung sozialer Netzwerke beschäftigten. 2009 wurde von Grasmuck, Martin & Zhao festgestellt, dass afro- und lateinamerikanische und indische Studenten im stärkeren Ausmaß ihre kulturelle Identitäten über ihre spezifische Präferenzen zeigten, als dies etwa bei weißen und vietnamesischen Studenten der Fall war.

 

Welche Menschen nutzen Facebook?

 

Frühere Studien haben versucht herauszufinden, inwieweit die tatsächliche Persönlichkeit eines Menschen mit der virtuell dargestellten übereinstimmt und konnten bestätigen, dass zwischen dem tatsächlichen Sein und der Facebook-Identität sehr starke Parallelen bestehen. Extrovertierte Personen haben die höchste Anzahl an Freunden und Kontakten und sind weit aktiver als Introvertierte. Menschen, die man eher als "pflichtbewusste Typen" klassifizieren kann, zeigen hingegen den geringsten Grad an Facebook-Aktivität, sei es nun durch Postings oder Freunde-Anzahl.

 

Facebook Aktivitäten führen, wie jeder weiß, zu einer Unmenge an "Überbleibseln". Damit sind alte Statusposts, Fotos, Videos, Likes, Links und andere Hinweise auf die virtuelle Präsenz gemeint. 2009 wurde hierzu eine Studie von Ross durchgeführt, bei der sich zeigte, dass Menschen mit hohen Neurotizismus-Werten angaben, dass ihre Pinnwand ihr Lieblings-Facebook-Tool sei. Menschen, die diesbezüglich keine hohen Werte aufwiesen, präferierten hingegen ihre Bilder.

Ebenfalls interessant: Scheue Personen haben weniger Freunde als solche, die nicht als scheu bezeichnet werden können, verbringen aber weitaus mehr Zeit im Netzwerk.

 

Auch zwischen Narzissmus und der Nutzung von sozialen Netzwerken wurde in einer 2012 durchgeführten Studie ein positiver Zusammenhang festgestellt. Menschen nutzen ihre Profile und Bilder, um sich selbst zu promoten. Menschen, die ein hohes Level an Narzissmus und umgekehrt solche, die ein geringes Selbstbewusstsein aufwiesen, verbrachten mehr als eine Stunde am Tag auf Facebook.

 

Mit einer hohen Facebook-Nutzung geht somit, nach den Ergebnissen mehrerer Studien, ein hohes Level an Extroversion, ein generell niedriges Selbstbewusstsein, ein hohes Level von Neurotizismus und Narzissmus sowie ein geringes Selbstwertgefühl einher. Die Nutzung der Netzwerke erhöht in der Regel das Selbstbewusstsein und kann das Zugehörigkeitsgefühl stärken.

 

Wir alle wollen ein Teil von etwas sein

 

Selbstbewusstsein und Selbstachtung hängen stark mit einem Faktor zusammen: Dem Zugehörigkeitsgefühl. Hinsichtlich der Steigerung des Selbstwertgefühles konnte herausgefunden werden, dass die Nutzung von Netzwerken den Sozialisationsprozess und das soziale Lernen unterstützt, was beides in einem höheren Selbstbewusstsein und besserer Selbstkenntnis resultiert. Dabei spielen aber wiederum kulturelle Unterschiede eine Rolle. In kollektivistischen Kulturen etwa, kann dieser Effekt weitaus stärker ausgeprägt sein als in individualistischen, westlichen Kulturen.

 

Das Bedürfnis der Selbstprofilierung

 

Studien zufolge ist die Identität, die man auf Facebook präsentiert, dem tatsächlichen Ich nicht allzu fremd. Facebook wird aber natürlich laufend für das Eindrucksmanagement genutzt. Wenn man in der realen Welt jemanden kennenlernt, wird man ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Facebook adden, um mehr über die Person herauszufinden. Auch Job- Recruiters nutzen Facebook um sich ein Bild von Bewerbern zu machen.

 

Da man sich in der Regel darüber auch bewusst ist, wird man natürlich versuchen, ein entsprechend positives Image zu vermitteln. Interessant in diesem Zusammenhang: Man konnte wissenschaftlich bestätigen, dass eine zu hohe Anzahl an Freunden Zweifel über die tatsächliche Popularität eines Nutzer aufkommen lässt. Für das Impression-Management sollte man sich also bei der Kontakt-Anzahl offenbar etwas einschränken, um der Gefahr unauthentisch zu wirken, zu entgehen. Zusammenfassend: Das Facebook-Profil reflektiert durchaus die wahre Persönlichkeit, allerdings mit Tendenzen zur positiven Selbstprofilierung.

 

Warum nutzen wir nun Facebook?

 

Nach den Ergebnissen der Studie gibt es vor allem zwei Gründe, warum Menschen Facebook nutzen: Das Zugehörigkeitsbedürfnis und das Bedürfnis der Selbstdarstellung.

 

Der Mashable Autor Sam Laird etwa schrieb einen Artikel über sein Leben ohne Facebook, nachdem er sich dazu entschieden hat, seinen Account zeitweise still zu legen. Er berichtete, dass er nun nicht mehr ständig die Frage im Hinterkopf hatte, ob er etwas posten soll oder nicht und dass er generell viel weniger Zeit vor dem Computer verbrachte. Was er aber am meisten vermisste, waren die Partyfotos, über die man sich am Tag nach dem Treffen mit Freunden amüsieren konnte und das Posten von Artikeln, die ihn interessieren. Er vermisste also das, was die meisten von uns vermissen würden: Das Gefühl, Teil von etwas zu sein und die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren. Dies sind also die wesentlichen Gründe für die Facebook-Nutzung.

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