(26.12.2011, 18:00) PhoneDog.com, ein Anbieter von Nachrichten über Telekommunikation und Technik, hat einen ehemaligen Mitarbeiter verklagt, da dieser die Kontrolle über seinen Twitter Account, den er zu Berufszwecken eröffnet hat, behielt. Noah Kravitz schrieb für das Unternehmen PhoneDog.com und eröffnete für diesen Beruf einen Twitter Account, bei dem er den Unternehmensnamen mit seinem eigenen kombinierte und unter @Phonedog_Noah berufliche Inhalte postete. Als er die Stelle aufgab, änderte er seinen Namen zu @NoahKravitz, behielt aber die 17.000 Follower die mit dem Konto verbunden waren. Ursprünglich gab das Unternehmen dem ehemaligen Mitarbeiter die Erlaubnis, das Konto weiter zu verwenden und bat ihm, gelegentlich über das Unternehmen zu twittern. Acht Monate später aber flatterte dem Journalisten ein Anklageschreiben ins Haus, dem zu entnehmen war, dass Twitter Follower eine "Kundenliste" darstellen und Noah Kravitz dem Unternehmen nun 340.000 Dollar für die Mitnahme dieser Kundenkontakte schuldig sei.Der Fall löste aber vor allem die spannende Frage aus, wieviel soziale Medien eigentlich wert sind und wer das Recht hat dies festzulegen und zu kontrollieren. Die Vorstellung, dass Kundenkontakte nicht einem Angestellten, der sie eigentlich sammelt, "gehören", sondern dem dahintersteheneden Unetrnehmen, ist in der Geschäftswelt weit verbreitet. Allerdings ist aufgrund der Tatsache, dass die persönliche Identität sehr häufig mit dem Firmen-Branding kombiniert wird, oft nicht klar, welche Kontakte nun eigentlich der Person zugerechnet werden können und welche nur aus berfulichen Gründen hinzugefügt wurden. Die Grenzen hier ist sehr vage. Unter den 17.000 Followern von Kravitz etwa finden sich sehr wahrscheinlich auch persönliche Freunde, Mitarbeiter, Konkurrenten oder Fans die unter Umständen nicht besonders an Technik interessiert waren, aber vielleicht seinen Schreibstil schätzten. Die Vorstellung also, dass sämtliche 17.000 Follower von Kravitz diesen nur wegen des Unternehmens für das er arbeitet als Kontakt hinzufügen, ist sehr fraglich. Im engen Zusammenhang mit der Debatte um dem Besitz steht auch die Frage, wieviel ein Kontakt nun kosten soll. Wenn für 17.000 Nutzer Schadensersatz in der Höhe von 340.000 Dollar verlangt wird, bedeutet dies, dass jeder Nutzer 2,50 Dollar, oder umgerechnet knapp 2 Euro kostet. Auch hier kann man darüber streiten, wie man einen solchen Betrag rechtfertigen soll. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jeder Kontakt zu einem genau kalkulierbaren Ertrag für das Unternehmen führt, insbesondere wenn man bedenkt, dass viele Twitter Accounts nicht oder nur selten aktiv genutzt werden. Grundsätzlich kommt es in der Praxis immer wieder dazu, dass Journalisten aufgrund ihres Berufes Twitter Accounts eröffnen und dabei auch den Namen ihres Unternehmens einbinden. Wenn sie dieses verlassen, nehmen sie ihre Kontakte mit - oder eben nicht - abhängig davon, ob die Follower an dem Journalisten oder an dem Unternehmen interessiert sind. Der springende Punkt liegt somit wohl in der Entscheidung des Followers. Weder das Unternehmen noch der Journalist können entscheiden, wer was liest. Nicht sie wählen die Kontakte aus, sondern umgekehrt, die Nutzer entscheiden, wem sie folgen wollen.