(29.6.2011, 11:45) Beim gestrigen Launch von Office 365 hat Gordon Frazer, Geschäftsführer von Microsoft UK, bestätigt, dass Microsoft Daten, die in Office 365 gespeichert werden, auch dann weitergibt, wenn der Speicherort innerhalb der europäischen Union liegt. Das US-Unternehmen Microsoft kann dazu unter dem US Patriot Act gezwungen werden. Entsprechende Klauseln sind auch in den AGBs enthalten.
Die Gesetzeslage in der EU sieht allerdings vor, dass die Zustimmung der Eigentümer der Daten erforderlich ist, bevor diese die EU verlassen können.
Frazer wurde explizit danach gefragt, ob Microsoft garantieren könne, dass die Daten den EU-Raum nicht verlassen würden, auch wenn Microsoft gemäß dem Patriot Act dazu aufgefordert würde. Laut ZDnet antwortete Frazer, dass Microsoft eine US-Company sei und daher die Gesetze der USA zu befolgen habe. Er sagte, „Kunden werden informiert, wann immer möglich“. Allerdings konnte er nicht einmal das garantieren, denn diese Information kann gemäß Patriot Act untersagt werden.
Er sagte: „Microsoft kann diese Garantien nicht geben. Noch kann das ein anderes Unternehmen.“
Vermutet wurde schon seit längerem, dass jedes US-Unternehmen, das Daten für Kunden speichert, diese auf Verlangen jederzeit an US-Behörden übergeben wird. Microsoft ist das erste Unternehmen, das dies auch offen eingesteht.
Auch in den Nutzungsbedingungen von Office 365 finden sich entsprechende Passagen. Ebenso nimmt sich Amazon bei seinem Cloud Drive das Recht, die „Nutzerdaten zu inspizieren, zurückzuhalten, zu nutzen sowie Kontodaten und Inhalte weiterzugeben“. (Terms of Use § 5.2) Gleiches gilt natürlich auch für Google Docs oder jedes andere Cloud Service einer US-Firma.
Cloud Services von US-Unternehmen sind also nicht nur für Unternehmen potenziell gefährlich, sondern auch für Universitäten und andere Forschungsstätten. Zwischenergebnisse von Forschungsvorhaben bei Cloud Services von US-Unternehmen abzuspeichern, kann der direkte Weg zur Konkurrenz sein.