(10.02.2012, 14:30) Wenn man Open Graph Apps nutzt, wird den Facebook-Freunden über den Newsticker oder der Timeline angezeigt, was man liest, hört oder sich ansieht. Seit dieser Woche nimmt das soziale Netzwerk Zahlungen von Werbetreibenden an, um die Open-Graph-Inhalte im noch stärkeren Ausmaß zu verbreiten. Was man liest, hört oder nutzt wird dabei zum Werbeinhalt und Facebook-Nutzer ungefragt zu Werbeträgern.
Bereits im Jänner wurde eine zweite Welle von neuen Open-Graph-Apps angekündigt. Waren eine der ersten Apps etwa die Guardian-, die Washington Post-App oder Spotify, die im Echtzeit-Ticker anzeigen, wer etwas "hört" oder "liest", so werden nun weitere Anwendungen freigeschaltet, die diese Funktion vorsehen.
Es scheint ein Ziel Facebooks zu sein, sämtliche Werbemaßnahmen “sozial” auszurichten, sie also über die Nutzer laufen zu lassen, indem ihre Aktivitäten im Newsticker angezeigt werden. In Zukunft ist es also sehr wahrscheinlich, dass Facebook bei allen Open-Graphs Werbeeinnahmen erlangt und sämtliche Werbeinhalte auf das Frictionless Sharing ausdehnt. Zuvor konnten Werbetreibende Aktionen von Nutzern nur dann in den Sponsored Stories aufnehmen, wenn die User mit der Unternehmensseite oder einer App interagierten. Dabei wurden jene Inhalte nicht angezeigt, die Facebook-User zwar aufgerufen haben, allerdings über die Seite oder App eines anderen Anbieters.
Ein Bespiel hierfür sei ein Musiklabel, welches dafür zahlt, das Likes auf ihrer Seite im Newsticker anderer Nutzer angezeigt werden. In diesem Fall würden Likes, die das Label beispielsweise bei der Spotify-Anwendung erhält, nicht im Ticker aufscheinen. Dies wird sich in Zukunft aber offenbar ändern. Es wird möglich, dass etwa eine Band für das Anzeigen der gehörten Songs bezahlt oder ein TV-Studio dafür bezahlt, dass gesehene Folgen einer Serie, im Newsticker anderer Nutzer erscheinen. Und zwar unabhängig davon, wo dies Songs oder Filme geliked wurden. In Zukunft soll diese Möglichkeit auch auf weit mehr Anbieter von Content ausgeweitet werden und es soll nun auch Möglichkeiten geschaffen werden, die Aktivitäten der Nutzer mit traditionellen Werbeanzeigen zu kombinieren.
Mit den Open-Graph-Applikationen sollen Nutzer nun also nicht mehr mit Werbeanzeigen bombardiert werden, die, wie sonst üblich, auf den demografischen Daten beruhen, sondern vielmehr sollen die Anzeigen stärker an ihren Aktivitäten und damit Interessen angepasst werden. Dies soll zu Win-Win-Win-Situation führen: Interessantere Werbeanzeigen für Nutzer, besserer Kommunikation für Werbetreibende und nicht zuletzt mehr Geld für Facebook.