(20.11.2011, 10:55) Bei einem Symposium, das diese Woche in Australien stattfand, erklärte der Gartner Analyst Dennis Gaughan auf Grund seiner Erfahrung mit Kunden, was die vier Hersteller IBM, MIcorosft, Oracle und SAP wirklich erreichen wollen. Ein Bericht darüber findet sich auf der australischen Website itnews.com.
Zusammen haben diese vier Hersteller etwa 100 Milliarden US Dollar zu ihrer Verfügung um die Kunden und deren CIOs in ihrem Sinn zu beeinflussen. Generell empfiehlt Gaughan den Unternehmen Herr über die eigene Zukunft zu bleiben und die Hersteller ganz selektiv zu nutzen.
Weiter stellte Gaughan fest, dass sich keine Innovation mehr in den Produkten der vier Anbieter finden lasse. Sie seien hauptsächlich damit beschäftigt den Status quo zu erhalten und daraus die Umsätze zu steigern. Das sei keine Agenda für Innovation.
IBM charakterisierte Gaughan als einen Dienstleister, der sein Beratungsgeschäft nutzt um seine Produktverkäufe durchzuziehen. IBM positioniert sich selbst als Vordenker und promoted Initiativen wie die vom „Smarter Planet“. Die meisten Anfragen, die Gartner von Klienten erhielt, bezogen sich auf Vertragsverhandlungen um zu verstehen, was IBM tatsächlich anbietet und was es liefern will.
IBM versucht die komplette IT-Strategie ihrer Kunden zu übernehmen und zu bestimmen. Die Kundenbetreuer seien darin ganz besonders gut und speziell darauf geschult.
Microsoft will in erster Linie Windows und Office schützen. Microsoft holt die meisten Umsatz aus seinen Plattformen heraus und sein oberstes Ziele ist es, Windows und Office die weitere Marktdominanz zu sichern. Daneben versucht man weitere Plattformen in einer Art und Weise zu etablieren, die es Kunden schwer macht zu einem anderen Hersteller zu wechseln.
Neue Funktionen werden nur in dem Ausmaß verfügbar gemacht, das nötig ist um Kunden bei der Stange zu halten. Neue Produkte zielen primär darauf ab, das Kerngeschäft mit Windows und Office zu schützen. Extreme Vorsicht empfiehlt Gaughan bevor man Office 365 einsetzt um nicht in einen Microsoft-Shop verwandelt zu werden.
Gaughan erwartet, dass Microsoft Marktanteile in 2012 und 2013 verlieren wird. Der Kern – Windows – wird von Apple und Android angegriffen, Office von Google mit seinem Docs.
Oracle ist bekannt dafür einer der aggressivsten Akquisiteure zu sein. Die Verkäufer würden ein integriertes Produktportfolio anbieten, das aber im Vergleich zu Konkurrenten wie SAP eine äußerst magere tatsächliche Integration aufweise. Oracle integriert nicht wo es möglich ist, sondern nur dort wo es profitabel ist.
Gaughan beschreibt Oracle Integration so: „Oracles Marketingphrase ist ‚Engineered Systems to work togehter‘, es sollte aber besser heißen ‚Engineered Systems to buy together‘. Es ist eine Integration auf dem Papier, aber nicht in der Realität.“
Auch die neuen Fusion Applikationen, die Anfang Oktober bei der Oracle OpenWorld präsentiert worden waren, sieht Gaughan mit Vorsicht. Sie seien zwar ein wichtiges Element für Oracles Wachstum, sollen aber nicht existierende Anwendungen ersetzen. Wartung ist für Oracle das wichtigste Thema, denn daher rühren 92% der Profitabilität.
SAP verwirrt seine Kunden mit der Preispolitik. Die Klienten von Gartner suchen sehr häufig Unterstützung um SAPs Preise und Lizenzbedingungen zu verstehen. SAP habe sehr ungewöhnliche Bedingungen für die Transfer von Daten in und aus den SAP-Systemen. Das Unternehmen habe aber sehr zukunftsorientiert in Business Objects für Analytik, Sybase für Mobility und HANA für seine In-Memory-Datenbank-Technologie investiert.
SAP habe im Wesentlichen die Migration von R/3 zur Business Suite abgeschlossen, womit diese als Umsatzquelle nun versiege. SAP wird daher bei den Wartungsgebühren wesentlich aggressiver vorgehen müssen. Gaughan empfiehlt den Kunden die Preise dafür möglichst bald definitiv zu fixieren.
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