Mit Anonymous-Masken getarnte Personen ketteten sich am Geländer der Ladentreppe fest, andere machten durch verteilen von Flyern und Sprechgesängen auf die widrigen Arbeitsbedingungen bei Apple aufmerksam. Durch die Besetzung musste der Store früher geschlossen werden.
(06. 02. 2012; 16:30) Nach Bekanntwerden der Zustände bei Apple Zulieferern wie Foxconn, sahen sich die Aktivisten rund um die Bewegung „Occupy Hamburg“ dazu gezwungen zu handeln.
Nach Angaben früherer Apple-Mitarbeiter konzentriert sich der Konzern einzig und allein auf hohe Gewinnzahlen und lässt dabei unmenschliche Arbeitsbedingungen zu. Zudem kommt es in letzter Zeit immer wieder zu Selbstmorden in den Fabriken, aufgrund der Niedrigstlöhne.
Der Hersteller Foxconn reagierte letztes Jahr auf sehr eigenwillige Weise auf die Suizide seiner Mitarbeiter und spannte ein Netz um das Gebäude, das den Mitarbeitern den tödlichen Sturz vom Dach der Fabrik unmöglich machte. Außerdem wurde eine Klausel in die Mitarbeiterverträge eingefügt, dass sie sich nicht umbringen dürfen. Dieser Vertrag musste von jedem Mitarbeiter unterschrieben werden.
Apple versuchte in einer Aussendung klar zu stellen, dass sie nichts von den Missständen in den Betrieben ihrer Zulieferer wussten und räumten ein, Untersuchungen diesbezüglich zu erhöhen. Tim Cook zeigte sich empört über die Anschuldigungen und betonte, dass man sich um jeden Mitarbeiter in der weltweiten Lieferkette sorgt. Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters Foxconn zufolge wusste das Unternehmen sehr wohl Bescheid, wolle daran aber nichts ändern, da sich diese Methoden rentieren.
Für die Aktivisten dürften die Aussendungen nicht genug Initiative von Apple gewesen sein, weswegen sie am Samstag die Filiale am Jungfernsteig in Hamburg kurzerhand besetzten. Sprechgesänge wie Apple verhöhnt die Menschenwürde hallten minutenlang durch den Apple Store. Auch angebissene Äpfel wurden als Zeichen des Protests verteilt. Nach Aussagen der Polizei kam es zu keiner Sachbeschädigung. Lediglich gegen einen Aktivisten wird wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt, da er sich den Anweisungen widersetzte und eine Polizistin leicht verletzte.
Einige der Beteiligten dürften nicht das gleiche Ziel hinter dieser Aktion verfolgt haben und erwähnen in Blogeinträgen, dass es ein amüsanter Nachmittag gewesen ist, der überwiegend Spaß gemacht hat.
Aufgrund der Aktion kam es zu einem verfrühten Ladenschluss in der Filiale in Hamburg.